Möbelstoffe und Polsterstoffe

Die Fäden bzw. Fasern, aus denen Möbelstoffe bestehen, kann man grob in drei Kategorien unterteilen. Als Beispiele werden hier nur die bekanntesten Fasern aufgeführt,  natürlich gibt es  noch eine ganze Reihe mehr.

  • tierische Fasern:  Wolle, Schurwolle, Mohair, Seide, Angora
  • pflanzliche Fasern: Baumwolle, Kokos, Leinen, Jute, Flachs, Hanf, Sisal, Kapok
  • chemische Fasern: Polyacryl, Polyester, Polyamid,  Polypopylen, Polyethylen

Wie auch bei den Möbeln, sollte man sich vor der Auswahl der Möbelstoffe darüber im Klaren sein, welchen Ansprüchen der Stoff  genügen muss. Der Preis sagt zunächst einmal  nichts über die Strapazierfähigkeit, die Lichtechtheit, die Scheuertouren, die Pillingbildung oder über das Anschmutzverhalten des Möbelstoffes bzw. des Polsterstoffes aus. Auch nicht über die erforderliche Pflege. Der Möbelstoffwert ergibt sich aus der Summe des eingesetzten Garnwertes und dem Webeaufwand.

Man sollte sich daher überlegen, ob man das Polstermöbel täglich benutzt oder nur gelegentlich (Gästezimmer). Bei der täglichen Nutzung lässt sich ein Verschleiß der Möbelstoffe nicht vermeiden, wie doll dieser jedoch ausfällt hängt von der Art und Qualität des Stoffes, der Verpolsterung, der Pflege, der Nutzung oder der einwirkenden Umgebungseinflüsse ab.

Erhöhter Verschleiß von Möbelstoffen durch:

  • Armbänder und Uhren: Diese können zum Verschleiß der Armauflagen beitragen
  • Jeansträger aufgepasst: Die Nähte, Knöpfe, Reißverschlusse beanspruchen die Möbelstoffe in besonders starker Weise.
  • Schmutz kann in das Gewebe eindringen und durch die Reibung der feinen Partikel kann der Möbelstoff schneller verschleißen.
  • Schweiß kann die Farbe und die Fasern des Möbelstoffes angreifen
  • Dampfreiniger, Heizkissen können zu Beschädigung der Stoffoberfläche führen
  • Zu trockenes oder zu feuchtes Raumklima kann die Festigkeit des Möbelstoffes negativ beeinflussen.
  • Gegenstände in den Taschen (Schlüssel, Portemonnaie uw.) können ebenfalls den Verschleiß des Stoffes auf dem Polstermöbel erhöhen.

Auf diese Hinweise sollten Sie bei Auswahl Ihres Möbelstoffes achten:

Lichtechtheit

Bei intensiver Lichteinwirkung kann sich der Farbton eines Möbelstoffes verändern. Dieses lässt sich auch bei Stoffen mit hoher „Lichtechtheit“ nicht immer vermeiden. Die Lichtechtheit bezeichnet die Wiederstandsfähigkeit des Möbelstoffes gegenüber Lichteinwirkungen.

1 Sehr geringe Lichtechtheit
2 Geringe Lichtechtheit
3 Mäßige Lichtechtheit
4 Ziemlich gute Lichtechtheit
5 Gute Lichtechtheit
6 Sehr gute Lichtechtheit
7 Vorzügliche Lichtechtheit
8 Hervorragende Lichtechtheit

Reibechtheit

Die Reibechtheit (trocken und nass) bezieht sich auf die Widerstandsfähigkeit der Farbe von Möbelstoffen gegenüber Abrieb oder Verfärbungen. Die Reibechtheit ist z.B abhängig von der Art des eingesetztes Farbstoffes, der Farbtiefe, der Färbeweise usw.

1 Sehr geringe Reibechtheit
2 Mäßige Reibechtheit
3 Ziemlich gute Reibechtheit
4 Gute Reibechtheit
5 Sehr gute Reibechtheit

Pillingbildung

Hierbei handelt es sich um eine Knötchenbildung bei Flachgeweben. Im Gebrauch können sich sogenannte Pills (Knötchen) bilden.

Die Möbelstoffe können eventuell nach einiger Zeit oberflächlich aufrauen und es können sich kleine Knötchen (=Pills) bilden. Man unterscheidet hier die Pills, die direkt aus dem Möbelstoff hervorgerufen werden (Eigenpills) und Pills von Fremdfasern z.B. aus der Kleidung des Benutzers (Fremdpills). Discountware ist dafür anfälliger als hochwertigerer Möbelstoff. Die Knötchen auf dem Möbelstoff sehen nicht besonders schön aus und vermindern auf Dauer die Qualität des Stoffes.

Pills werden bei den Herstellern nicht als Reklamation anerkannt, da es eine warentypische Eigenschaft eines Flachgewebes darstellt. Man kann sich zur Beseitigung der kleinen Knötchen ein Fusselentferner anschaffen, der ähnlich wie ein Rasierapparat die Knötchen vom Möbelstoff behutsam abtrennt. Bei mehrmaliger Wiederholung sollte man jedoch vorsichtig sein, weil der Stoff nach jedem Fusselrasiererdurchgang an Dichte verlieren kann.

Manchmal werden bei der Stoffproduktion chemische Mittel eingesetzt, um die Pilling-Bildung zu reduzieren. Die Ware wird dann mit der Zusatzinfo: Anti-Pilling gekennzeichnet.

Ein weit verbreitetes Verfahren, um die Pillingbildung zu bestimmen, ist die Europa Norm DIN EN ISO 12945-2.

1 Sehr starke Pillingbildung
2 Starke Pillingbildung
3 Deutliche Pillingbildung
4 Wenig Pillingbildung
5 Keine Pillingbildung

Scheuerbeständigkeit

Die Scheuerbeständigkeit ist die Widerstandsfähigkeit des Möbelstoffes gegen Abrieb.

Zum Beispiel werden in einem Test zwei Möbelstoffe aneinandergerieben, bis die ersten zwei Fadenbrüche zu sehen sind. Weiterhin werden die Polsterstoffe gedreht, gequetscht, gebogen und gestaucht.

Dazu sei vorwegenommen, dass Chemiefasern i.d.R. scheuerbeständiger sind als natürliche Fasern. Die beste Scheuerbeständigkeit haben die Polyamide.

Die Scheuerbeständigkeit des Möbelstoffes bzw. einer Faser hängt aber auch von Umwelteinflüssen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und dem Lichteinfall ab. So können Möbelstoffe bei dauerhaft niedrigen Temperaturen spröder werden als bei höheren Temperaturen. Aber dieses ist nur ein Beispiel von vielen.

Eine genormte Klassifizierung gibt es bei der Scheuerbeständigkeit nicht.

Die Scheuertouren sind ein Messwert, der zum Vergleich zweier Möbelstoffe herangezogen werden kann. Je höher die Anzahl der Scheuertouren, je widerstandsfähiger ist der Möbelstoff gegen Abrieb. Die bekannteste Methode, die Scheuerfestigkeit von Möbelstoffen zu bekommen ist die Martindale-Methode (benannt nach dem Entwickler).

Das standarisierte Testverfahren misst die Verschleißzahl. Je nachdem wie der/die Möbelstoffe bzw. das/die Polstermöbel genutzt werden, gibt es unterschiedliche Empfehlungen.

Für den Privatgebrauch bei einer weichen Verpolsterung sollten die Scheuertouren nicht unter 10.000 liegen, bei einer harten Polsterung nicht unter 15.000.

Im Objektbereich (Hotels, Restaurants etc.) sollten bei regelmäßiger Nutzung 20.000 nicht unterschritten werden und bei häufigem Gebrauch sollte der Möbelstoff mindestens 30.000 Scheuertouren aufweisen.

Nach oben hin sind natürlich keine Grenzen gesetzt und je höher der Wert um so besser die Scheuerbeständigkeit.

Veredelung von Möbelstoffen

Es gibt eine Vielzahl von Veredelungsmöglichkeiten, die wichtigsten sind:

Fleckschutz

Der Fleckschutz ist das Nachbehandeln von Möbelstoffen durch das Auftragen von fleckabweisenden Mitteln wie z.B. Teflon®. Teflon® ist quasi unsichtbar und ist ein idealer Schutz gegen Verschmutzung durch Flüssigkeiten und Trockensubstanzen. Teflon® beeinträchtigt dabei nicht die Atmungsfähigkeit oder die Haptik des Gewebes und wird auch nicht durch mehrmaliges Reinigen des Polstermöbels abgerieben.

Feuerschutz (flammhemmende Ausrüstung)

Durch die Aufbringung von diversen Chemikalien wird die Entzündbarkeit des Möbelstoffes verringert.

Es gibt aber auch Garne, die bereits von Haus aus die Eigenschaft flammhemmend besitzen wie z.B. die Polyesterfaser Trevira CS (C bedeutet Comfort, S bedeutet Sicherheit)

Insektenschutz

Stoffe aus tierischen Fasern (insbesondere Wolle) müssen gegen Mottenbefall und anderem Ungezieferbefall geschützt werden. Veredelungen in Bezug auf Insektenschutz werden z.B. mit Eulan® durchgeführt. Eulan®  ist ein textiles Hilfsmittel, welches den Möbelstoff z.B. auch vor Pilzen und Mikrobenbefall schützt.

Polsterung und Möbelstoffe

Wenn Sie gerne weich sitzen, dann wird der Möbelstoff leger auf dem Polstermöbel verarbeitet, was auch gleichzeitig eine Faltenbildung begünstigt.

Härtere Möbelstoffe bei strafferer Verpolsterung weisen keine Falten auf, dafür ist das Polstermöbel dann aber auch nicht so angenehm anschmiegsam wie bei der legeren Verpolsterung.

Möbelstoff-Eigenschaften

Bei Möbelstoffen und  auch bei Dekostoffen etc. ist es heutzutage üblich, die Fasern zu mischen. Dadurch werden die Gebrauchs- und Pflegeeigenschaften optimiert. Auch aus verarbeitungstechnischen Gründen ist oftmals eine bestimmte Komposition erforderlich.

Vor dem Möbelkauf sollte man sich daher gut überlegen, welche Eigenschaften der Möbelstoff oder der Dekostoff, Teppich usw. erfüllen soll.

Faserbezeichnungen und Eigenschaften

Abk. Name Eigenschaften Herkunft / Anbaugebiete
CO
  • Baumwolle
  • hohe Luftdurchlässigkeit
  • hohe Zug- und Scheuerfestigkeit
  • gute Saugfähigkeit
  • gute Reißfestigkeit
  • Wärme wird gut abgeleitet
  • relativ geringer Glanz
  • knitteranfällig
Indien

Peru

China

Mittel- und Südamerika

GUS-Staaten

Ägypten

Sudan

Türkei

CA Acetat
  • mattschimmender Glnaz
  • weiche Haptik
  • wenig knitteranfällig
  • geringere Feuchtigksaufnahme als Viscose
Chemiefaser
CV Viskose
  • weiche Haptik
  • nimmt die Feuchtigkeit auf
  • glanzeffekte
Chemiefaser
JU Jute
  • anfällig für Fäulnis
Indien

Pakistan

KP Kapok
  • wärmende Eigenschaften
  • weich
  • glänzend
  • wasserabweisend
  • immun gegen Motten
Indien

Indonesien

Philippinen,

Südamerika

LI Leinen, Flachs
  • gute Saugfähigkeit
  • angenehm luftig und kühl
  • sehr hohe Reißfestigkeit
  • gute Abriebfestigkeit
  • nicht flusend
  • knitteranfällig
  • hautsymphatisch
  • edler Glanz
GUS Staaten

Polen

Tschechien

Irland

Frankreich

Belgien

Niederlande

PA Polyamid
  • hohe Strapazierfähigkeit
  • hohe Scheuerbeständigkeit
  • knitterarm
  • geringe Aufnahme von
  • Feuchtigkeit
  • gute Schimmelbeständigkeit
  • schnelltrocknend
  • dehnbar, elastisch
  • pflegeleicht
Chemiefaser
PE Polyester
  • hohe Strapazierfähigkeit
  • hohe Reißfestigkeit
  • gute Lichtechtheit
  • gute Formbeständigkeit
  • elastisch, dehnbar
  • geringe Aufnahme von Feuchtigkeit
  • pflegeleicht
  • knitterfest
  • gut für Allergiker
  • immun gegen Motten
Chemiefaser
PAN Polyacryl
  • hohe Strapazierfähigkeit
  • hohe Reißfestigkeit
  • hohe Lichtbeständigkeit
  • gute Formbeständigkeit
  • Stoffe lassen sich leicht färben
  • elastisch, dehnbar
  • geringe Aufnahme von Feuchtigkeit
  • pflegeleicht
  • knitterfest
  • filzt nicht
Chemiefaser
PET PolyetylenTerephthalat (auch besser bekannt unter Diolen, Trevira)
  • sehr reißfest
  • sehr scheuerfest
  • geringe Feuchtigkeitsaufnahme
Chemiefaser
PP Polypropylen
  • Sehr niedrige Feuchtigkeitsaufnahme
  • Sehr leichte Faser
  • Lichtempflindlich
  • Geringe statische Aufladung
Chemiefaser
RA Ramie

(Chinagrass)

  • hohe Geschmeidigkeit
China

Indien

USA

SE Seide

(Maulveerseide)

China

Japan

SI Sisal
  • hohe Reiß- und Scheuerfestigkeit
  • glänzend
  • antistatisch
  • schmutzabweisend
  • immun gegen Motten
Mexico

Ost- und Westafrika

Brasilien

WK Kamelhaar
  • seidig
  • glänzend
West China

Mongolei

GUS Staaten

Afrika

WM Mohair
  • glänzend
  • seidig
  • gute Elastizität
Vorderasien

Südafrika

West-USA

WN Angora
  • leicht
  • hohe Wärmerückhaltung
  • wasserabweisend
  • weich
WO Schafwolle
  • gute Wärmeisolation
  • hohe Feuchtigkeitsaufnahme
  • hautfreundlich
  • hohe Festigkeit
  • geringere Scheuertouren
  • sehr gute Elastizität
WS Kaschmir

(cashmere)

  • weich
  • geschmeidig
  • glänzend
China

Mongolei

Iran

Afghanistan

Nepal

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